Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes


Neubauamt Hannover

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Inhalt: Verlegung der Hase

Einleitung und Veranlassung

Durch die geplante Verbreiterung des Stichkanals nach Osnabrück nach Westen zwischen SKO-km 8,86 und 9,29 wird das vorhandene Abflussprofil der Hase teilweise überplant. Daher wird eine Verlegung des Gewässers nach Westen auf einer Länge von ca. 460 m erforderlich. Neben der Kanalverbreiterung bedingt auch der Neubau der Brücke Nr. 78 (Offers Brücke) bei SKO-km 8,86 die neue Lage des Haseprofils, da die neuen Rampen im Bereich der vorhandenen Haseverlaufs liegen.

Geschichte

Die Hase ist mit einer Gesamtlänge von 168 km das längste Seitengewässer der Ems. Sie entspringt bei Melle am Rand des Teutoburger Waldes, durchfließt das Stadtgebiet von Osnabrück und bildet nördlich der Stadt den Grenzverlauf zwischen Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Neben Landkreis und Stadt Osnabrück durchfließt die Hase die Kreise Steinfurt (NRW), Cloppenburg und Emsland (Nds.).

Die Hase verläuft zwischen Osnabrück und Bramsche weitgehend parallel zum SKO. Sie kreuzt den Mittellandkanal (MLK) bei MLK-km 30,032 mit einem Düker. Bereits während des Baus des SKO zwischen 1911 und 1915 musste die Hase verlegt werden, weil die Trasse des SKO den Gewässerverlauf zwischen SKO-km 10,7 und 11,9 kreuzte.
Die westlichen Seitendämme des SKO dienen in einigen Streckenabschnitten gleichzeitig als Hochwasserschutzdeiche gegen die Hochwässer der Hase. In den Jahren 1960 und 1981 kam es im Bereich der Schleusen Haste (1960) und Hollage (1981) zu Dammbrüchen, die zu Zerstörungen und Behinderungen der Schifffahrt führten. Die neuen Seitendämme des SKO werden daher so bemessen, dass sie zukünftigen Hochwässern der Hase standhalten.

Revitalisierungskonzept für die Hase

<>Der Flusslauf der Hase ist auf weiten Strecken reguliert und das Gewässerbett ausgebaut. Vom ursprünglich vorhandenen mäandrierenden Verlauf des Flusses sind nur noch wenige Abschnitte übrig geblieben. Ein 1996 gegründeter Verein zur Revitalisierung der Haseauen koordiniert laufende Vorhaben und initiiert neue Projekte. Es ist vorgesehen, entlang der Hase möglichst unterschiedlich breite durchgehende Gewässerrandstreifen auszuweisen und die Ufer entsprechend einem für die Region typischen Fließgewässer zu gestalten, mit dem Ziel einer größeren Naturnähe. Dabei behalten der Siedlungshochwasserschutz sowie der ordnungsgemäße Wasserabfluss stets Vorrang. Dritte sollen in ihren Rechten nicht beeinträchtigt werden.

Die vorliegende Planung für den umzuverlegenden Hasebereich orientiert sich an diesen Grundsätzen und stellt einen vorgezogenen Abschnitt der geplanten Gesamtmaßnahme zwischen Osnabrück-Eversburg und Achmer dar.

Planung der Maßnahme

Für den Ausbau des SKO im Abschnitt zwischen SKO-km 2,5 - 6,15 und 8,9 - 11,54 wurde 1997/98 ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt, dass auch die Verlegung der Hase vorsah. Einwendungen von Betroffenen führten zu Änderungen in der Planung, so dass der Gewässerverlauf, der ursprünglich mittig im Hasetal vorgesehen war, näher an den zukünftigen Kanalseitenweg heran rückte. Die Planungen wurden durch umfangreiche Bodenuntersuchungen sowie hydraulische Berechnungen begleitet. Eine Abstimmung mit den Landkreisen Steinfurt und Osnabrück sowie dem Unterhaltsverband Obere Hase wurde durchgeführt. Der Entwurf-AU für die Haseverlegung konnte im Jahr 2003 genehmigt werden.

Fußgängerbrücke

Die planfestgestellte Verlegungsstrecke liegt nördlich von Osnabrück, östlich der Ortschaft Büren zwischen der Bahnstrecke von Osnabrück nach Bramsche und dem SKO. Der Talraum wird als Grünlandfläche genutzt und wird von einem Fußweg gekreuzt, der die Hase mit einer Fußgängerbrücke überquert. Diese Brücke ist im Eigentum des Bürgervereins Wersen. Sie ist als Mehrfeldbrücke in Stahlrahmenkonstruktion mit Holzbelag und Geländern ausgebildet. Die lichte Weite beträgt ca. 13 m, die Gesamtlänge ca. 25 m, die Breite 1,50 m. Die Brücke wird im Zuge der Verlegung abgebrochen und über dem neuen Gewässerprofil durch einen Neubau ersetzt.

Bahnübergang

Die Zuwegung zum Hasetal kann nur über einen beschrankten Bahnübergang erfolgen, dessen Schrankenöffnung auf Anforderung über eine Wechselsprechanlage erfolgt. Damit der Baustellenverkehr den Bahnübergang schadlos queren kann, ist eine Ertüchtigung und Erhöhung der Tragfähigkeit der Querung erforderlich.

Versorgungsleitungen

Weiterhin befinden sich im Verlegungsbereich der Hase mehrere Versorgungsleitungen, die ebenfalls von der Gewässerverlegung betroffen sind. Eine Hauptgasleitung kreuzt das Hasetal mit einer Stahlfachwerkbrücke. Diese Brücke soll im Zuge der Arbeiten durch einen Düker ersetzt werden. Weitere Versorgungsleitungen der Stadtwerke Osnabrück verlaufen parallel zum Fußweg und sind an die vorhandene Fußwegbrücke angehängt. Auch diese Leitungen sollen künftig in Schutzrohren die neue Hase dükern. Eine parallel zum SKO verlaufende Gasleitung wird ebenfalls im Zuge der Maßnahmen verlegt.

Gewässerverlegung

Der Mittelwasserabfluss der Hase beträgt 3,61 m³/s, das HQ100 65 m³/s. Das vorhandene Haseprofil mit einer mittleren Breite von 14 m, an der Sohle im Mittel 5 m, ist an Ufer und Sohle aufgrund der hohen Fließgeschwindigkeiten stark erodiert. Das neue Profil erhält ein gegliedertes Abflussbett mit 3 - 5 m Sohlbreite. Der gegliederte Abflussquerschnitt bietet Platz für vielfältige Böschungsgestaltungen (Steilufer, Wasserwechselzonen).  Auch vom Mittelwasser überströmbare Bermen werden angelegt. Eine Hochwasserabflussberme wird mindestens 0,30 m über dem Mittelwasserabflussspiegel mit mindestens 3 m Breite hergestellt. Sie wird über Anrampungen für Unterhaltungszwecke befahrbar gestaltet. Durch das gegliederte Profil wird für das Gewässer ein naturnäherer Zustand erreicht, als dies mit dem bisherigen Profil der Fall ist.

Sohlgleiten

Die Angleichung der vorhandenen und der neuen Sohle erfolgt durch zwei flach geneigte Sohlabschnitte. Die Sohlgleiten am Anfang und am Ende der Verlegungsstrecke werden vor dem Anschluss des neuen Gewässers an den vorhandenen Haseverlauf hergestellt. Sie haben ein Längsgefälle von 1:40 bei ca. 50 cm Höhendifferenz. Als Sicherung der Anrampungsbereiche sind Steinschüttungen auf Kornfilter vorgesehen, im Überfallbereich der Sohlgleite als senkrecht von Hand gesetzte Steine zur Vermeidung von Erosionsschäden. Im Auslaufbereich erhalten die Sohlgleiten einen Kolkschutz aus Steinmaterial.

Böschungssicherung und Bepflanzung

Der Böschungsfuß wird durch eine Fußfaschine aus Nadelholz gesichert. Im Wasserwechselbereich sind Erosionsschutzmatten als Primärsicherung geplant. In Bereichen mit hohem Grundwasserdruck auf die Böschungen ist eine Entwässerung und Sicherung der Böschung mit schräg einzubauenden Faschinen vorgesehen.

Initialpflanzungen mit Röhricht sind im Bereich der Mittelwasserlinie geplant. Oberhalb der Mittelwasserlinie erfolgt eine Ansaat mit Landschaftsrasen auf einer Oberbodenabdeckung. Der Gewässerschutzstreifen wird später mit Gehölzen bepflanzt, wobei ein Unterhaltungsstreifen sowie der spätere Kanalseitendamm, der als Hochwasserschutzdeich gegen das Hasehochwasser dient, von durchgehenden Bepflanzungen ausgenommen werden.

Ausführung der Baumaßnahme

Nach Öffentlicher Ausschreibung im Frühjahr 2003 konnte der Auftrag im Mai 2003 an ein Kultur- und Tiefbauunternehmen vergeben werden. Aufgrund der Vielzahl an Beteiligten (DB, Gasleitungsbetreiber, Stadtwerke Osnabrück, Bürgerverein Wersten) war zu Beginn der Baumaßnahme zunächst eine intensive Abstimmung erforderlich, damit die verschiedenen Beteiligten ihre Teilmaßnahmen mit der Gewässerverlegung koordinieren konnten.

Die Arbeiten begannen mit dem Abschieben des Oberbodens. Anschließend erfolgte die Herstellung des Gewässerbettes, zunächst im Bereich der Gasleitungsbrücke bis zum Fußweg. Als Zwischendeponierung für Boden, der nicht im Baustellenbereich zwischengelagert werden kann, steht eine WSV-eigene Ablagerungsfläche bei Achmer zur Verfügung. Aufgrund der teilweise vorhandenen Belastung des Bodens infolge der häufigen Überflutung bei Hasehochwasser war eine Kontrolle der Schadstoffbelastung des Bodens erforderlich.

Besondere Sorgfalt erforderte die Baustellenzufahrt über die Kreisstraße bei Büren und den Bahnübergang. Eine unübersichtliche Straßenführung erforderte eine Geschwindigkeitsbeschränkung im Bereich der Baustellenzufahrt auf 30 km/h. Der beschrankte Bahnübergang erfordert eine Anmeldung und anschließende Freigabe der Gleise nach Durchfahrt. Während der Arbeiten zur Erhöhung der Tragfähigkeit wurden Sicherungsposten erforderlich. Die Arbeiten wurden nachts ausgeführt, um den Zugverkehr nicht zu beeinträchtigen.

Zur Herstellung des Gewässerprofils war eine offene Grundwasserhaltung mit Ableitung in die Hase über Pumpen vorgesehen. Aufgrund des ungewöhnlich trockenen Sommers 2003 konnten weite Teile der Erdarbeiten mit einfacher Wasserhaltung durch Abpumpen hergestellt werden. Besondere Hochwasserereignisse, die eine Überflutung des Baustellenbereiches zur Folge gehabt hätten, traten bis zum September 2003 nicht auf.

Die Verlegung der Versorgungsleitungen in offener Baugrube erforderte zum Teil eine Spundwandbaugrube quer zum neuen Haseprofil. Der Abriss der Gasleitungsbrücke wird erst nach Fertigstellung der Gesamtmaßnahme erfolgen.

Der Abbruch der Fußgängerbrücke kann erst erfolgen, wenn die Versorgungsleitungen umgelegt sind und das alte Hasebett verfüllt ist. Anschließend wird ein bedarfsgerechter Neubau das neue Gewässerprofil überqueren.

Erst nachdem das neue Gewässerprofil hergestellt ist und die Ufervegetation angewachsen ist, kann der Anschluss an die Hase erfolgen. Danach wird das alte Haseprofil verfüllt. Eine sorgfältige Verdichtung ist erforderlich, da die neu herzustellenden Rampen der Brücke Nr. 78 sowie der Kanalseitendamm des SKO über dem alten Haseprofil hergestellt werden. Abschließend wird die Bepflanzung der Randstreifen erfolgen. Nach der Fertigstellung der Haseverlegung können die weiteren Arbeiten zum Ausbau des SKO durchgeführt werden, so dass die Fertigstellung des Streckenausbaus bis zum Jahr 2009 erfolgen kann. Abschließend muss zwischen den Ländern Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen noch die Anpassung der Landesgrenze, die von der alten Hase gebildet wurde, erfolgen.